Hallo, ich bin Mimi und ich bin… naiv.

Nichtgedanken zur US-Wahl

„Meine Fresse, ich brauch nen Schnaps….“ war mein erster Gedanke.
Heute früh um kurz vor 6.

Ich habe die Nacht nicht vor dem Fernseher verbracht, habe die Ereignisse nicht live verfolgt. Ich bin gestern mit der felsenfesten Überzeugung ins Bett gegangen, heute früh in den Medien ein zigfaches, langweiliges „Congrats, Mrs. President!“ zu lesen.

Direkt nach dem Aufstehen habe ich einen Blick auf das Smartphone geworfen, die drölfzig Push-Meldungen registriert, einen kurzen Blick in die Twitter-App geworfen und… BÄM… fühlte mich wie im falschen Film. Das mag eine ausgelutschte Formulierung sein, doch nie war sie so zutreffend.

Ich hätte Haus und Hof verwettet, das Clinton es packt. Gestern Abend noch twitterte ich:

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Ich war mir so sicher. Ich machte mir keine Sorgen. Nie. Nicht einmal, als mitten im Wahlkampf die Medien meldeten, Trump und Clinton lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Und weil der Vergleich heute mehrfach kam: Ja, auch der Brexit hat mich überrascht. Wie ein kleines Kind das hinter der Tür steht und „BUH!“ macht. Das heute war allerdings ein Hieb mit dem Vorschlaghammer. Ohne Vorwarnung. Von hinten.

Natürlich trinke ich um 6 Uhr in der Frühe keinen Schnaps. Ich trank Kaffee. Reichlich.
Er schmeckte nicht. Bei der dritten Tasse dachte ich, dass dieser Tunnelblick, dieses surreale Gefühl doch jetzt endlich mal aufhören müsse. Da war er wieder, der ‚im falschen Film‘ – Gedanke.
Dieses seltsame ‚das ist nicht echt, nicht real‘ – Empfinden.
Wie in Watte gepackt, gedämpft.
Nein, nicht Watte. Eher diese fies juckende Glaswolle. Und es zog sich durch den ganzen Tag.

Ich versuche nach wie vor meine Gedanken zu dem Thema zu sortieren, aber es klappt nicht.
Nur eines wird mir bewusst: Es ist nicht primär die Angst davor, was dieser Mann anrichten könnte oder anrichten wird. Es ist kein Bild einer nahenden Apokalypse vor meinen Augen. Damit habe ich mich noch gar nicht wirklich beschäftigt, zumindest nicht intensiv genug, um mich hier auch nur halbwegs qualifiziert dazu äußern zu können.

Es ist tatsächlich lähmendes Unverständnis. Ein riesengroßes Fragezeichen. Ein neonleuchtendes ‚WTF!?!?‘.

Ein Mann, der sich mit sexistischen, rassistischen Parolen durch den kompletten Wahlkampf gepöbelt hat, wurde gerade tatsächlich von fast der Hälfte aller Wähler zum mächtigsten Mann der Welt gemacht.

Nein, Amerika besteht nicht zu knapp 50% aus weißen, schmerbäuchigen, ungepflegten Männern mittleren Alters.
Amerika ist nicht zur Hälfte Vokuhila- und Feinripp tragender, in Wohnwagensiedlungen lebender White Trash.
Dieses furchtbar klischeehafte Bild habe ich aber vor Augen, wenn ich an Trump-Wähler denke.
Wen sonst will dieser Clown mit seinen abgehalfterten Sprüchen, seinem Macho-Gehabe und seinem riesigen Ego überzeugen?
Welche Frau käme jemals auf die Idee, einem Bilderbuchsexisten ihre Stimme zu geben?

Ja, so dachte ich wirklich, ich dummes, naives Ding.

Und jetzt?
Einen Schnaps habe ich noch immer nicht getrunken, aber zumindest ein Bier.
Geholfen hat es nicht.

 

 

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