Über den Umgang mit ‚besorgten Bürgern‘ und waschechten Nazis in sozialen Netzwerken

„Dreckspack. Wie die hier rumlungern und im Müll wühlen….“

das waren die Worte eines Mannes, geschätzt Mitte 60, der meinte, mir vor dem Supermarkt sein besorgtes Deutschbürgerherz ausschütten zu müssen.

Der Supermarkt liegt in der Nähe einer Unterkunft für Asylsuchende, es waren zwei oder drei Familien mit ihren Kindern auf dem Parkplatz. Sie bettelten nicht, sie klauten nicht.
Sie boten den Einkaufenden an, für ein paar Cent die Einkäufe zum Auto zu tragen und einzupacken.

Unreflektierte bis bitterböse Kommentare zur aktuellen Flüchtlingssituation sind auf der Straße Alltag geworden.

Noch viel mehr aber im Netz. Versteckt hinter vermeintlich anonymen Accounts wird ordentlich vom Leder gezogen und gehetzt.

Aber wie geht man damit um?

Bei facebook habe ich in den letzten Wochen ordentlich aufgeräumt.
Vermeintliche ‚Freunde‘, deren Anfrage man höflich angenommen hat, weil man ja vor geschätzten dreitausend Jahren mal dieselbe Grundschule besucht hat oder auf einer Party in den Neunzigern mal aus einer Bierflasche trank. Menschen, die nun Pegida-Kram in die Chronik spülen und sich billigster Stammtisch-Rhetorik bedienen.

Keine Diskussionen. Mit einem ziemlich direkten Post habe ich meine Meinung dazu kundgetan und besagte ‚Freunde‘ rausgeschmissen.

Aber nun zu Twitter, meinem erklärten Lieblingsnetzwerk.

Wenn Menschen, die dir nette und lustige Tierbildchen in die TL zaubern, rechtes Gedankengut äußern, ist ein ‚unfollow‘ leicht. Auch geblockt wird bei Twitter schnell. Alles anonym eben. Zackbumm, kaum mit der Wimper gezuckt, weg ist er (oder sie).

Schwierig wird es, wenn sich die Äußerungen weit weg vom ‚ich bin doch nur ein besorgter Bürger-Stammtisch-Blah‘ bewegen. Natürlich folgt man solchen Accounts nicht, wird aber immer mal wieder – und in letzter Zeit immer häufiger – darauf aufmerksam gemacht.

Was tun?
Still und heimlich blocken und melden?
Klar. Selbstverständlich. Ist ja schnell erledigt.
Aber mache ich den Account innerhalb meiner TL publik und bitte andere darum, es auch zu tun?

Hierzu habe ich eine klare Meinung, die offenbar nicht jeder teilt: JA!
Unbedingt sogar.

Gestern war es ein Account namens Hamburg-online, der – natürlich zwischen netten Bildchen – gegen Flüchtlinge und ‚linke Zecken die der Steuerzahler durchfüttert‘ wetterte.

Heute war es schon eine Nummer heftiger. Ein waschechter Holocaust-Leugner.

Natürlich habe ich ihn geblockt und gemeldet.
Ich habe auch meine TL gebeten, den Nazi zu blocken und zu melden.

Warum?
Weil eine Meldung nichts bringt. Gar nichts.
Auch bei zwei oder drei Meldungen passiert….genau…NICHTS!

(Es sei denn, der Account offeriert primäre oder sekundäre Geschlechtsteile – gerade ein heiß diskutiertes Thema auf Facebook. Diese abstruse Doppelmoral ist aber ein ganz anderes Thema.)

In einigen Bundesländern besteht mittlerweile auch die Möglichkeit, online Strafanzeige zu stellen. Diese greift aber nur, wenn sich der Inhaber des Accounts in Deutschland aufhält und gegen deutsche Gesetze verstößt.

Prompt tauchten heute dann auch Tweets auf, die konstatierten, dass das Publikmachen solcher Accounts falsch sei und dass die braunen Accounts diese Aufmerksamkeit nicht verdienen. Auch von hirnlosem Gutmenschentum war die Rede. Natürlich waren die Tweets nicht an mich persönlich gerichtet, sondern an die sogenannte ‚Twitter-Elite‘ – Accounts mit mehreren Tausend Followern. Wütend macht es mich trotzdem.

Ich werde nicht müde, auf Nazis im Netz aufmerksam zu machen. Nur gemeinsam kann man was bewegen. Im Netz UND auf der Straße (ja…oh Wunder…ich hab meinen fetten Arsch mehrfach gegen Pegida auf die Straße geschleppt und nein….ich verlange dafür keinen Orden)

„Maul halten und gut“ entspricht einfach nicht meiner Natur. Die momentane Entwicklung macht mir Angst. Fremdenhass ist salonfähig geworden. Wegsehen, Ignoranz und Nichtstun sind nun wirklich keine Lösung, das merkt man mehr als deutlich an der Politik unserer ach so tollen ‚christlich-sozialdemokratischen‘ Regierung.

Und übrigens…. ich halte meine Handvoll Follower nicht für saublöd und unterbelichtet. Sie sind offenbar reflektiert genug, sich von den braunen Drecksaccounts nicht ‚negativ beeinflussen‘ zu lassen. Die erregte Aufmerksamkeit führt genau zu dem Ergebnis, das man sich wünschen sollte – der Sperrung von Naziaccounts.

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